Worum geht es?

In wenigen Monaten läuft der Pachtvertrag des bisherigen Betreibers der Waldwirtschaft „Hubertus“  aus. Es ist die Rede von einem Abriss und Neubau einer (größeren) Wohnanlage. Jetzt darf man sich zunächst die Frage stellen,  ob dies der beste Ort in Bad Soden für den Neubau einer größeren Wohnanlage ist. Kern der Überlegungen sollte jedoch sein, ob dieses historische Gebäude nicht besonders schutzwürdig ist.  Eine größere Wohnanlage würde auch noch  zusätzlichen Verkehr durch das Stadtgebiet Bad Soden verursachen. Wäre nicht eine anderweitige Bebauung sinnvoll,  die strukturell und von den Verkehrsströmen für eine Anbindung besser geeignet ist?

Aber darum geht es hier nicht. Die Frage ist, sollten wir alten Baubestand und ein historisches Gebäude  nicht erhalten? 


Man sieht im Stadtbild, dass viele Eigentümer die alten Häuser und Gebäude in Bad Soden mit Feingefühl sanieren und renovieren, um damit Charme und Kulturgut von Bad Soden zu bewahren. Könnte sich jemand vorstellen, die Tolstoi Villa abzureißen um es durch eine Wohnanlage zu ersetzen? Oder die Villa im Kurpark?

Bad Soden hat glücklicherweise noch einige alte Häuser und Villen,  die einer ganz bestimmten Zeit und/oder Stil entsprechen. Für Neubauten  wird Bad Soden auch genügend Freiflächen nutzen können, weil wir uns dem Druck des Bevölkerungszuwachses um Frankfurt herum  nicht entziehen können. Rein rechnerisch wird der Anteil von Kulturgut in Bad Soden sich gesetzmäßig sowieso verringern. Damit wir aber in wenigen Jahren nicht komplett wie ein 3- oder´4 -stöckiges Rebstockviertel aussehen, wie  man es auch schon jetzt finden mag, sollte man dem alten Baubestand besondere Schutz leisten. Als vor wenigen Jahren in Neuenhain 2 von 3 alten Kanstanien an der Königsteinerstraße gefällt wurden, gab es einen lokalen Aufruhr, und die Stadt Bad Soden hat dies zum Anlaß genommen, die  Baumschutzverordnung zu ändern.

Dabei ging es nicht wirklich um Naturschutz, sondern um besonderen Baumschutz, also echtes  Kulturgut, könnte man sagen (wie etwa  die 3 Linden in der Drei Linden Straße). Bäumen wachsen jedoch wieder neu und dazu noch kostenlos. Alte Gebäude verschwinden für immer und dessen Flair kommt nie wieder zurück.

Man sollte sich der Moderne nicht verschließen. Was alt ist, ist nicht automatisch gut oder besser. Historisch und alt lassen sich zudem wunderbar mit neu und modern kombinieren. Das gilt für Städte, Straßen, Inneneinrichtung sowie für Häuser. Bad Soden hat gelungene Beispiele wo alt und jung, klassisch und modern ästhetisch kunstvoll zusammengeführt wurden. Der kurzfristigen Wirtschaftlichkeit scheint das auf ersten Blick nicht immer zu dienen. Der Stadt ingesamt und damit alle Bewohner zusammen profitieren aber schon von jeder Aufwertung der Stadt, in jedem Kontext. Umgekehrt haben wir auch prägnante Beispiele, die das umgekehrte  verdeutlicht haben. Aufwendig gebaute Häuser, die innerhalb kürzester Zeit als wirtschaftliche Abschreibungimmobilien  ästhetisch schon als Totalverlust galten. Wäre die Villa Tolstoi architektonisch und historisch nicht so bedeutend gewesen, wäre sie aus technischen und wirtschaftlichen Gründen schon längst abgerissen.

Aber Städtebau ist etwas langfristiges. Es sollte weder von Stillstand noch Opportunismus getrieben sein, sondern pragmatisch und vorausschauend mit der Zeit mitgehen und dabei Ästethik mit Nutzbarkeit vereinen. Es gibt einfachere Aufgaben und Bestimmungen im Leben,  aber ist eine Stadt nicht auch seinen Bürgern verpflichtet?

Nein, man muss nicht alles was alt ist nur aus dem Grund beibehalten. Technisch und wirtschaftlich betrachtet würden viele Eigentümer gerne abreißen und neu bauen. Wir wollen dem keineswegs im Wege stehen. Wir brauchen die Erneuerung und Innovation. Aber, das was optisch und kulturhistorisch wertvoll ist, sollte man wertschätzend in neue Zeiten überführen. Ob die Integration von Alt- mit Neubau oder die isolierte Überführung eines Bauwerks in der nächsten Generation besser ist, ist Ansichtssache. Nur die Vernichtung sollte keine Option sein.