Kann man das Abreißen oder ist das ein Denkmal?

„Kann man das Abreißen oder ist das ein Denkmal?“
(Original finden Sie in PDF hier)

Diese Frage kursiert seit einigen Wochen in sich erweiternden Kreisen rund um das „Waldhaus Hubertus“ in Bad Soden-Neuenhain.  Dieser Beitrag fasst die persönlichen Gedanken eines Anliegers und Gastes zum Thema zusammen. Gelegentlich wurde hierzu das „Handbuch Denkmalschutz und Denkmalpflege“, das von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz herausgegeben wird, zu Rate gezogen.

Wer legt fest, was ein Denkmal ist?

In allen deutschen Bundesländern werden Denkmäler ausschließlich von wissenschaftlich qualifizierten Mitarbeitern der Denkmalschutzbehörden ernannt. Das Zusammenspiel zwischen Landes- und unterer Denkmalbehörde ist unterschiedlich. Keinesfalls kann ein „Normalbürger“ sich eine Denkmalnominierung wünschen oder inhaltlich maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung nehmen. Dies ist wichtig, damit Denkmalschutz nicht zu sachfremden Zwecken wie z.B. Verhinderung einer Bebauung missbraucht wird. Und daher stellen alle folgenden Überlegungen nur eine private Meinung dar – Irrtum vorbehalten.

Was macht ein Denkmal aus (Denkmalfähigkeit)?

Ein Denkmal soll Erinnerungs- und Assoziationswerte zu bestimmten Kriterien vermitteln, die in den Denkmalgesetzen benannt sind:

– z.B. geschichtliche Aspekte

Die Gaststätte Hubertus wurde 1913 als „Waldhaus Hubertus“ erbaut. Ein Fachmann klärt auf: Der besondere Baustil mit Fachwerkelementen und regionalem Bezug deutet auf die Heimatschutzbewegung hin. Hierzu zählen gesellschaftliche Strömungen, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts für den Erhalt der heimatlichen Natur, den Respekt vor der Natur und die Bedeutung der Natur für die Erholung des Menschen in einer industrialisierten Umwelt eingesetzt haben. Mit dem Waldhaus Hubertus in seiner wertigen Bauweise ist es seinerzeit gelungen, einen Ort zu schaffen, der wie ein einladendes Tor zum dahinter liegenden Hochwald wirkt. Schade, dass diese positive und nachhaltige Bewegung das neue Gasthaus, den Wald und die Natur nur ein Jahr lang ungetrübt genießen konnte, bevor der erste Weltkrieg eine 40jährige Friedensepoche beendete.

Auch die mit der Architektur des Waldhaus Hubertus zum Ausdruck gebrachten sozialen Werte und Einstellungen sprechen noch heute zum Betrachter: Bescheiden und zurückhaltend, schützend, warm und stilvoll mit zahlreichen Details, die die Themen Wald, Jagd und Natur aufgreifen – weder protzig noch klobig oder kitschig.

Was auch beeindruckt: Hier haben Bürger einen besonderen Ort für Bürger geschaffen, der heute noch genauso geschätzt und genutzt wird wie vor 100 Jahren.

Das moderne Taunusinformationszentrum mit seinem „Waltraut“ in Oberursel könnte man als ein Pendant unserer Zeit zum Hubertus sehen.

– z.B. künstlerische Qualität

Das Waldhaus Hubertus könnte auch besondere künstlerische Qualitäten aufweisen. Sie liegen gegebenenfalls nicht nur in der harmonischen Gesamtarchitektur, sondern auch in der stimmigen Vielfalt der Ausstattung (Wandvertäfelungen, Buntglasfenster, Sprossenfenster, Deckenbalken, Malereien, Kaminofen, Beschläge, Platanengarten und vieles mehr). Der Denkmalschutz verlangt dabei nicht Qualität auf „Palastniveau“, sondern stellt auf die Maßstäbe der damaligen (bürgerlichen) Handwerkskunst ab, die im Hubertus sicherlich gut realisiert wurde und erstaunlich gut erhalten ist. Wichtig für den „Zeugniswert“ ist die Originalität.

– städtebauliche Bedeutung

Schließlich hat das Waldhaus Hubertus auch noch eine städtebauliche Bedeutung: Es wurde genau am Rand des Taunuskamms errichtet, an dem die ausgedehnten Hochwälder beginnen. Für damalige und heutige Besucher ist dies der besondere Ort, an dem der naturbelassene Teil des Rhein-Main Gebietes beginnt. Dessen einzigartiger Erholungscharakter trägt maßgeblich zur Attraktivität unseres lebendigen Wirtschafts- und Kulturraums bei. Bis heute vermittelt das Hubertus jedem Passanten ein sympathisches Signal gepflegter Gastlichkeit sowie die Wertschätzung der umliegenden Natur. Heute ist dieser Ort zugleich der Ortseingang Bad Sodens, so dass das Hubertus ein „Landmark“ an der richtigen Stelle zum Vorteil unserer Stadt darstellt.

 

Denkmalwürdigkeit

Neben diesen „Denkmalkriterien“, die eine Denkmalfähigkeit begründen können, verlangt der Denkmalschutz auch noch die Denkmalwürdigkeit, die gegeben ist, wenn Seltenheit, Originalität und Integrität vorliegen.

 

Es gibt zum Glück noch ein paar schön gelegene Waldgaststätten am Taunusrand mit ähnlicher Historie (Gundelhardt, Fuchstanz, Bürgelstollen). Sie sind jedoch allesamt so stark umgebaut und „modernisiert“, dass einem die Einzigartigkeit des Hubertus erst recht bewusst wird.

Ein persönliches Fazit

Wer etwas Positives über unsere Vergangenheit erfahren möchte, der kann es im Hubertus in Bad Soden erleben. Daher ist der von verschiedensten Seiten geäußerte Wunsch nachvollziehbar, dass dies so bleibt und das Waldhaus Hubertus einen Beitrag zum Verständnis und zum Umgang mit unserer Heimat leisten kann.

Christian Wilkens, Bad Soden